Pferde gut ernähren
Was Pferde wirklich brauchen
Welches Futter braucht mein Pferd?
Als ehemalige Steppentiere waren Wildpferde einstmals fast ununterbrochen mit der Nahrungssuche und -aufnahme beschäftigt. Das karge Steppengras war nicht sehr nahrhaft, und daher konnte ein Pferd fressen, ohne zu viel zuzunehmen, war ständig in Bewegung, und der Magen hatte immer etwas zu tun, ohne jemals überlastet zu werden.
Im heutigen Mitteleuropa herrschen für die Pferde, die hier gehalten werden, komplett andere Verhältnisse. Die Kulturlandschaft, in der wir leben, hat mit der Steppe von einst gar nichts mehr zu tun, und die heutigen Pferderassen würden in einer Steppe auch kaum lange überleben. Unsere Pferde sind als Gebrauchs- und Nutztiere gezüchtet und haben daher einen anderen Nährstoffbedarf als Wildpferde.
Was ist "natürlich"?
So einfach ist es gar nicht zu sagen, wie sich natürliches und gesundes Futter zusammensetzt, denn es hängt von individuellen Faktoren ab, wie zum Beispiel
- von der Rasse,
- vom Alter,
- vom Gesundheitszustand,
- vom Leistungsbedarf.
Grundsätzlich ernähren sich Pferde als Weidetiere natürlich von Gras. Leider sind aber deutsche Weiden zum größten Teil ursprünglich nicht für Pferde angelegt worden, sondern für Milchvieh, also Mutterkühe. Diese haben einen enormen Energiebedarf, da sie so gezüchtet sind, dass sie sehr viel Milch produzieren.
Das bedeutet, dass viele Pferde, die rund um die Uhr auf einer solchen Weide stehen, entweder zu dick werden oder Krankheiten wie Hufrehe oder eine Insulinresistenz entwickeln, also Stoffwechselstörungen durch ein zu reichhaltiges Futterangebot.
Lässt man sie jedoch längere Zeit ohne Heu auf einem abgegrasten Stück Weide oder einem Paddock stehen, dann kann es zu anderen Problemen kommen. Längere Fresspausen führen bei vielen Pferden zur Überproduktion von Magensäure. Die Säure greift in der Folge die eigenen Zellen an und führt - wie beim Menschen auch – zu Magengeschwüren. Manche Pferde reagieren auch mit Koliken auf eine längere Pause.
Außerdem beruhigt das Kauen Pferde. Stundenlange Fresspausen führen zu großem Stress und bewirken, dass Pferde kein Sättigungsgefühl mehr haben. Deshalb fressen so viele Pferde in den Ställen immer weiter, was sie wiederum bei 24-Stunden-Heufütterung zu dick werden lässt.

Liebe geht durch den Magen
Neben der Bewegung ist die richtige Ernährung das wichtigste Mittel für ein langes, glückliches Pferdeleben. Pferde haben eine relativ kurze Lebenserwartung – kürzer jedenfalls, als sie ohne ihre oft starke Beanspruchung durch den Menschen hätten. Dazu kommt oft eine nicht artgerechte Fütterung. Für einen Dauerfresser wie das Pferd hat das Futter nämlich großen Einfluss auf die Gesundheit, und Fütterungsfehler können sich sehr schnell negativ bemerkbar machen.
Da die Nahrung beim Pferd einen so großen Einfluss auf das Wohlbefinden hat, trägt der Besitzer die Verantwortung dafür, dass sein Pferd nicht zu dick wird und alle nötigen Nährstoffe enthält.
Warnzeichen beachten!
Eigentlich brauchen Pferde zum Leben nur Raufutter, das heißt, Gras, Heu und Stroh sowie – je nach Arbeit – etwas Kraftfutter, Mineralien und Vitamine. Doch wenn es so einfach ist, wie kommt es dann dazu, dass so viele Pferde unter Krankheiten oder Verfettung leiden und sogar daran sterben?
Die häufigste unnatürliche Todesursache bei Pferden ist eine Kolik. Zwar gibt es Pferde, die stärker dazu neigen als andere, bei Wildpferden jedoch sind Koliken so gut wie unbekannt. Auch ernährungsbedingte Hufrehe kommt bei Wildpferden praktisch nicht vor. Bei unseren Hauspferden ist sie jedoch die zweithäufigste Todesursache. Offenbar ist es mit der Ernährung unserer Pferde dann doch nicht so einfach.

Woher kommen die Probleme?
Auf Dauer machen sich Fütterungsfehler bei fast jedem Pferd irgendwann bemerkbar. Ob Kotwasser, Koliken, Wasser- und Fetteinlagerungen, Mauke, Raspe oder Husten, alle diese Symptome können Anzeichen für einen gestörten Stoffwechsel sein. Sie sind quasi Warnzeichen, die – wenn sie ignoriert werden – Hufrehe, EMS und Cushing auslösen, und dann nicht mehr zu übersehen sind.
Zu viel Kraftfutter, zu wenig Rohfaser, ungünstige Inhaltsstoffe, nicht an den Grundumsatz angepasste Futterrationen, es gibt viele Gründe, warum ein Pferd zu dick oder zu dünn ist oder Symptome einer Stoffwechselstörung entwickelt. Nicht nur die Hormone und das Nervensystem beeinflussen den Stoffwechsel, auch Fütterung und ständiger Stress, den das Pferd im Stall hat, spielen eine Rolle. Wird das komplexe Stoffwechselsystem des Pferdes gestört, dann wirkt sich das auf den gesamten Organismus aus.
Eine individuelle Ernährungsberatung kann in vielen Fällen sinnvoll sein.
Zu dick? Zu dünn? Woran liegt’s?
Genau wie wir Menschen tendieren Pferde, die sich nicht genug bewegen, eher zu Über- als zu Untergewicht. Zu wenig Bewegung und zu viel Kraftfutter führen leicht dazu, dass Speck angesetzt wird. Im Sommer kommt noch die üppige Weide hinzu. Vor allem leichtfuttrige Pferde wie Kaltblüter, Haflinger, Fjordpferde, Freiberger, Shettys und andere Ponys werden im Sommer oft kugelrund. Großpferde, die mehr Nährstoffe benötigen, können etwas mehr Gras vertragen, aber auch sie werden oft zu gut gefüttert.
Der Bauch allein ist jedoch kein Maßstab dafür, wie stark übergewichtig das Pferd wirklich ist. Um das zu beurteilen, müssen die Fettpolster an Mähnenkamm Schulter, Hüfte, Kruppe und über den Augen betrachtet werden. Diese können auch einen Hinweis auf ein mögliches EMS (Equines Metabolisches Syndrom) geben. Wo das Pferd am meisten Fett ansetzt, ist dabei individuell unterschiedlich. Spanische Pferde haben oft sehr viel Fett im Mähnenkamm, obwohl sie insgesamt nicht übergewichtig sind.
Ein zu dünnes Pferd erkennt man meist schneller. Sind die Rippen deutlich fühlbar und die Flanken eingefallen, dann braucht es mehr Nahrung. Gerade ältere Pferde, die nicht mehr geritten werden, bauen Muskulatur ab und sehen dann noch magerer aus. Tiefe Höhlen über den Augen, herausstehende Hüftknochen und Wirbelsäule und ein dünner Hals sind deutliche Zeichen, dass das Pferd viel weniger Nährstoffe bekommt als es braucht.
Zu dick
Die meisten Pferdebesitzer möchten nicht, dass ihr Liebling so aussieht, als müsse er hungern. Ist das Pferd jedoch übergewichtig, dann haben sie oftmals weniger Bedenken, obwohl dies für die Pferdegesundheit noch ungünstiger ist.
Tatsächlich kann Übergewicht, wenn man nichts dagegen tut, sogar lebensbedrohlich sein, warnt ein britischer Tierarzt in der österreichischen Pferderevue.
Zu dick werden Tiere in der Natur nur selten, und so ist die Verfettung für Pferde ein echtes Zivilisationsleiden. Um den Pferden keine langen Fresspausen zuzumuten, füttern viele Heu ad libitum. Das ist allerdings nicht für alle Pferde gleich gut geeignet.
Pferde, die sich täglich von selbst viel bewegen oder intensiv bewegt werden, überfressen sich dabei nicht. Andere Pferde, insbesondere Robustrassen mit guter Futterverwertung, nehmen jedoch bei unlimitiertem Heuangebot zu viel Gewicht zu.
Eine 24-Stunden-Heufütterung ist daher für viele Pferde nicht geeignet.
Zu dünn
Ein Pferd, das im Training steht und gut bemuskelt ist, muss nicht unbedingt mager sein, wenn die Rippen leicht zu sehen sind. Verliert es aber deutlich an Gewicht, obwohl es nicht viel Bewegung hat, dann braucht es mehr Nährstoffe. Auch ältere Pferde mit Zahnproblemen oder bei denen die Nährstoffaufnahme im Darm nicht mehr gut funktioniert, magern leicht ab.
Bei rangniedrigen Pferden kann auch Stress in der Herde dazu führen, dass sie beim Fressen keine Ruhe haben oder nicht genug ans Heu gelassen werden. Stresshormone wie Adrenalin können dazu führen, dass die Nährstoffaufnahme eingeschränkt wird.
Daher sollte unbedingt dafür gesorgt werden, dass das Pferd in Ruhe Raufutter fressen kann, so viel es will. Zu den Heucobs kann es Luzernecobs und Rübenschnitzel bekommen. Zusätzlich kann energiereiches Kraftfutter wie Mais- oder Gerstenflocken zum Müsli zugegeben werden. Etwas Reiskeimöl oder Leinöl kann zugefügt werden.
Auch Mash darf 2- bis 3-mal pro Woche gefüttert werden. Allerdings gibt es einiges zu beachten. Zum Beispiel verträgt nicht jedes Pferd jedes Zusatzfutter, je nachdem woran es liegt, dass das Pferd zu dünn ist.
