Box, Weide oder Offenstall?

Auf der Suche nach der optimalen Haltung

Offenstall, 24-Stunden-Weide oder Boxenhaltung mit Sommerweide – die einzig richtige Haltung für alle Pferde gibt es nicht. Jede Haltungsform hat bestimmte Vor- und Nachteile, sodass jeder selbst entscheiden muss, was für ihn selbst und für das Pferd am besten passt. Das kann durchaus auch eine Box sein, wenn das Pferd sich darin wohl fühlt.

Doch selbst, wenn die Box für das Pferd prinzipiell die richtige Wahl ist, müssen die äußeren Bedingungen stimmen, das heißt, die Box sollte nicht zu klein, hell und möglichst luftig sein und gut gemistet werden. Außerdem sollte das Pferd möglichst keine 20 Stunden täglich in der Box stehen und im Sommer tagsüber auf die Koppel oder Weide gehen. Und auch im Winter sollten mehrere Stunden Auslauf am Tag möglich sein. Leider ist das viel zu oft nicht der Fall. Wer sein Pferd gesunderhalten möchte, muss für Bewegung sorgen.

Als ehemalige Steppenbewohner bewegten sich die Pferde um die 16 Stunden am Tag langsam beim Fressen vorwärts, gemeinsam mit anderen Herdenmitgliedern. Sozialkontakte und Bewegung sind daher Grundbedürfnisse für die Tiere, deren Fehlen auf Dauer zu Erkrankungen und Verhaltensstörungen führt.

Zumindest im Sommer darf die Weide nicht zu klein sein, um den Pferden Bewegungsanreize zu bieten. Ein Abstecken der Weide, um sie möglich „gründlich“ abfressen zu lassen, ist dabei kontraproduktiv. Pferde fressen selektiv und bewegen sich dabei ständig über größere Flächen. Haben sie genug Weide, dann zupfen sie die schmackhaften oberen Teile der Halme ab und gehen weiter. So sollten sie sich stundenlang im Schritt über die Weide bewegen.

Vor- und Nachteile

Offenstall

In den letzten Jahren sind Paddockboxen beliebt geworden, die dem Pferd etwas mehr Luft und Licht bieten als eine Innenbox mit kleinem Fenster. Allerdings sind viele Paddocks zu klein, als dass Pferde dadurch auch zusätzliche Bewegung hätten. Daher ist ein großer Offenstall mit Artgenossen dem Pferd sicher lieber.

Im Offenstall bewegen sich die Pferde in jedem Fall mehr als in einer Einzelbox, schon deshalb, weil sie sich gegenseitig treiben. Das klingt natürlich erst einmal positiv. Ist die Gruppe homogen (geschlechtergetrennt, ähnliche Rassen), genug Platz auf der Lauffläche vorhanden, ausreichend Liegefläche für alle Pferde sowie genug Fressplätze, dann kann das auch gut klappen.

Anderenfalls kann es aber für einzelne Pferde im Offenstall auch sehr stressig sein, wenn sie beispielsweise nie in Ruhe fressen können und keinen Platz finden, wo sie sich zum Schlafen auch mal ablegen können. Es ist allerdings sehr unterschiedlich, wo sich ein Pferd wohl fühlt. Manche brauchen weniger Raum für sich allein, andere mehr.

Eher hochblütige Pferde mit kürzerem Fell legen sich in der Regel nicht gerne auf feuchte oder harte Böden, während Pferde aus Robustrassen in der Regel weniger empfindlich sind. Man sollte die Gruppe daher anfangs erst einmal beobachten und schauen, ob jedes Pferd genug fressen und sich ablegen kann oder stark unter Stress steht.

Stress lass nach!

In gemischten Pferdegruppen, in denen oft Wechsel stattfinden, herrscht mehr Unruhe, da leichter Rivalitäten entstehen. Andererseits kann eine stabile gemischte Herde ohne viel Fluktuation auch gut harmonieren. Natürlich braucht ein neues Pferd eine gewisse Eingewöhnungszeit. Allerdings gibt es auch Tiere, die sich nie in dem Sinne aneinander gewöhnen, dass sie friedlich nebeneinander fressen.

Den dominanteren macht die Situation dann meist weniger aus, aber sensiblere Tiere können schnell Anzeichen von Stress zeigen. Natürlich kann man einfach abwarten und hoffen, dass sich kein Pferd ernsthaft verletzt. Stellt man allerdings fest, dass ein Pferd Wesensveränderungen zeigt, nervöser und ängstlicher ist als früher oder gar unvermittelt zusammensackt und in Tiefschlaf fällt, dann sollte man doch lieber handeln.

Eventuell hilft es, die Gruppen umzubilden, denn oft liegt es einfach an den stark unterschiedlichen Charakteren der Tiere. Manche Pferde sind allerdings nicht für den Offenstall geeignet, zum Beispiel ein Pferd, das vorher nie in Herdenhaltung gestanden hat. Sich in eine kleine Herde zu integrieren, fällt ihm daher schwer. Alte Pferde, die ihr Leben lang immer in Boxenhaltung standen, nur deshalb in den preisgünstigen Offenstall zu stellen, weil sie nicht mehr reitbar sind, geht auch oft schief.

Grundsätzlich sind Rangordnungskämpfe zum Klären der Hierarchie ein natürliches Verhalten der Pferde. Doch ein Leben im kleinen Offenstall ist etwas anderes als das freie Leben im weiten Grasland. In der Natur würden sich die Tiere aus dem Weg gehen, wenn sie miteinander unverträglich sind. Darauf ist bei der Bildung einer Pferdegruppe Rücksicht zu nehmen, wenn man Verletzungen und Ärger vermeiden will. Der Offenstallbereich sollte so gestaltet werden, dass die Pferde möglichst stressfrei zusammenleben können.

Platzbedarf im Offenstall

Der wichtigste Faktor im Offenstall ist eindeutig die Fläche, die zur Verfügung steht. Die FN empfiehlt pro Pferd mindestens 100 m² Bewegungsfläche plus 12 m² Liegefläche pro Pferd. Bei fünf Pferden wäre die Gesamtfläche damit 560 m² groß, davon 60 m² Liegefläche. 

In einem Offenstall, in dem drei Pferde harmonisch zusammenleben, kommt schnell die Idee auf, dass problemlos noch ein weiteres Pferd hineinpassen würde. Allerdings kann es sein, dass eine Heuraufe dann nicht mehr ausreicht, damit alle ans Heu kommen.

Auch die eingestreute Liegefläche muss für alle Pferde groß genug sein. Denn Dauerstress kann die Pferde krank machen und zu Erschöpfungszuständen führen. Auch Pferde brauchen zur Erholung kurze Tiefschlafphasen, die nur im Liegen möglich sind.

Eine Eingewöhnungszeit von mehreren Wochen ist zwar normal. Hat ein Pferd jedoch auf Dauer keine Ruhe zum Fressen oder Schlafen, dann leidet die Gesundheit. Krankheitssymptome wie Kotwasser, Magengeschwüre, Hautpilz und Erschöpfungszustände, die zu unkontrollierten Stürzen führen, sind nicht selten.

So kann der vermeintlich „preiswerte“ Offenstall, der einem das tägliche Bewegen des Pferds ersparen sollte, zu erheblichen Tierarztkosten führen.

24-Stunden-Weide

Das schöne Bild einer grünen Weidelandschaft mit zufrieden grasenden Tieren darauf, das man aus dem Sommerurlaub kennt, weckt oft die Vorstellung, dass genau dies auch das Beste für die Pferde ist. Und so ist es ja auch – zumindest bezogen auf die Bewegungsmöglichkeiten. Allerdings sind Pferde keine Milch- oder Fleischlieferanten, die auf fetten Weiden gemästet werden, um Jungtiere und Milch zu produzieren oder nach einigen Monaten auf dem Teller zu landen. Deshalb haben in den letzten Jahren einige Pferdehalter festgestellt, dass es leider doch nicht ganz so einfach ist.

Natürlich freuen sich Pferde über Auslauf und frisches Gras, und natürlich ist die Weidehaltung um ein Vielfaches artgerechter als die reine Boxenhaltung oder das Einsperren in einem viel zu engen Offenstall. Pferde sind Lauftiere und wollen sich bewegen, sonst drohen Arthrose und andere Zivilisationskrankheiten.

Andererseits leiden jedoch viele unserer Pferde unter den Auswirkungen von zu viel fettem, strukturarmen Gras. Dass im Frühling ein langsames Anweiden nötig ist, um Hufrehe oder Koliken zu vermeiden, ist allgemein bekannt. Warum aber manche Pferde auch im Sommer nicht zunehmen, obwohl sie 24 Stunden lang auf der Weide stehen, während andere auf der Sommerweide kugelrund werden, sorgt oft für Rätselraten.

Rohfasergehalt meist gering

Tatsache ist, dass Pferde einen Rohfaserbedarf haben, der allein durch Gras gar nicht gedeckt werden kann. Gerade im Frühling hat das Gras noch einen sehr niedrigen Rohfasergehalt von 3 bis 4 Prozent. Zum Vergleich: der Rohfasergehalt von Heu liegt bei 23 bis 30 Prozent.

Für die Verdauung und die Energiegewinnung aus der Nahrung ist es jedoch wichtig, dass genug Rohfaser im Futter enthalten ist. Schwerfuttrige und insbesondere alte Pferde können die großen Fruktanmengen gar nicht verdauen und in Energie umwandeln. Sie brauchen besonders im Frühjahr daher unbedingt eine zusätzliche Heufütterung.

So wird die Weidehaltung für alle angenehm

Trotzdem kann die 24-Stunden-Weide für das eigene Pferd durchaus die optimale Haltung sein. Nur sollte man darauf achten, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, damit sich die Pferde wohlfühlen und gesund bleiben. Dazu gehören zum Beispiel:

  • ein Unterstand für alle Pferde bei großer Hitze
  • befestigte Flächen und Schutz vor Regen und Wind
  • Weidepflege und Entwurmungsmanagement
  • sichere Weidezäune von ausreichender Höhe
  • Tränken mit sauberem Wasser
  • regelmäßige Kontrollen auf Verletzungen und Krankheiten

Ein Unterstand, der nur den ranghohen Pferden Schutz gibt, ist nicht artgerecht. Auch rangniedrige Tiere müssen vor Hitze und Kälte geschützt werden können. Wasser muss ständig für alle verfügbar sein. Auch sollten die Pferde täglich auf Verletzungen oder Krankheitsanzeichen kontrolliert werden. Koliken zum Beispiel müssen wegen der akuten Gefährdung rasch erkannt werden.

Leichtfuttrige Pferde dagegen werden auf derselben, nach kurzer Zeit abgefressenen Weide kugelrund oder entwickeln im schlimmsten Fall Hufrehe. Aus Angst vor dem fetten und gehaltvollen Weidegras versuchen manche Pferdebesitzer die Weide künstlich auszumagern, indem sie nicht düngen und die Pferde auch noch auf abgefressenen Flächen stehen lassen.

Leider wird damit das Gegenteil davon erreicht, was man ursprünglich wollte. Die Pflanzen leiden stark unter Stress und bilden­ mangels Nährstoffen – besonders bei viel Sonne und Trockenheit – Fruktane statt Eiweiß. Diese wiederum fördern umso mehr die bei vorbelasteten Pferden gefürchtete Hufrehe, Verfettung und EMS.

Hinzu kommt, dass die meisten Weidegräser gar nicht für Pferde geeignet sind, da sie ursprünglich für die Milchviehhaltung gezüchtet wurden. Diese Hochleistungsgräser sind für Steppentiere wie die Pferde eigentlich viel zu nahrhaft. Pferdegerechte Weiden zu finden ist allerdings in Deutschland sehr schwer. Zum einen sollen die Gräser ertragreich und trittfest sein, andererseits nicht zu gehaltvoll.

Winterweide ja oder nein?

In den meisten Pferdebetrieben besteht gar nicht die Möglichkeit, den Pferden auch im Winter eine Weide zu bieten. Eine Winterweide ist daher mancherorts als Luxus anzusehen. Doch auch kleine Weiden, die den Pferden nur wenig Abwechslung bieten, sind immer noch besser als gar nichts. Für die Bewegungsmöglichkeit der Pferde sollte man auch bereit sein, etwas mehr an Einstellgebühr zu zahlen.

Was eignet sich für alte Pferde?

Haltung im Offenstall

Alte Pferde haben – wie alte Menschen auch – spezielle Bedürfnisse, die nicht immer leicht zu erfüllen sind. Viele Pferde bekommen irgendwann Arthrose und können sich nicht mehr so gut bewegen, was im Offenstall oft ein Problem ist. Werden sie ständig vom Heu vertrieben und können nicht in Ruhe fressen, dann haben sie Stress und Schmerzen. Sie magern ab und können Magenprobleme und Koliken entwickeln.

Oft haben sie nicht mehr viele Zähne. Wenn die Backenzähne schon sehr kurz und abgeschliffen sind, können sie das Heu nicht mehr gut mahlen. Dadurch wird die Nahrung weniger gut aufgeschlossen, so dass die Pferde noch mehr Futter brauchen, um ihren Energiebedarf zu decken. Die alten Tiere, die meist langsamer fressen, sollten ihr Futter unbedingt ungestört und in Ruhe aufnehmen können. Dennoch können auch alte Pferde im Offenstall bleiben, wenn sie dort schon lange stehen und sich die Gruppe gut kennt. Ein altes Pferd braucht allerdings besonders nahrhaftes Heu. Bei Zahnproblemen sollte das Heu möglichst weich und nicht zu holzig sein. Zusätzlich müssen eingeweichte Heucobs gegeben werden. Da Zahnprobleme oft Schlundverstopfungen verursachen, muss das Futter gut eingeweicht werden. Wenn die Senioren nicht separiert werden können, dann ist das manchmal ein Problem.

Weidehaltung für Oldies

Auf einer großen Weide gibt es meist weniger Probleme, da auch Pferde mit schlechten Zähnen in der Regel noch Gras fressen können. Meist klappt es auf der Sommerweide deshalb noch recht gut, aber wenn es kalt und regnerisch wird und das Gras abgefressen ist, magern viele von ihnen ab, weil Zähne und Stoffwechsel nicht mehr so gut funktionieren wie früher.

Alte Pferde sollten daher bei Wind, Regen und Kälte unbedingt eingedeckt werden, da sie sonst zu viel Energie verlieren. Außerdem brauchen sie Zusatzfutter, um ihren Nährstoffbedarf zu decken. Auch wenn sie nicht mager aussehen, fehlen ihnen oft Nährstoffe und Vitamine, die im Futter nicht ausreichend enthalten sind.

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