In Deutschland herrscht generell noch kein Wassermangel, auch wenn in den Dürrejahren 2018 bis 2021 das Grundwasser stark gesunken ist. Dabei waren in manchen Regionen die Weiden im Sommer so trocken, dass das Gras verdorrte. Auf der Weide können Pferde ihren Flüssigkeitsbedarf normalerweise großteils aus dem Gras aufnehmen, so dass sie nicht viel trinken müssen. Herrscht hier jedoch Steppe, oder ist das Gras stark abgefressen, dann müssen sie jedoch genügend Wasser zur Verfügung haben.
Pferde benötigen etwa 5 Liter Wasser pro 100 kg ihres Gewichts pro Tag, also mindestens 25 Liter für ein 500 kg schweres Pferd. Wird das Pferd gearbeitet, dann erhöht sich der Bedarf entsprechend. Besonders im Winter trinken allerdings viele Pferde weniger als sie sollten, wenn das Wasser sehr kalt ist. Besonders alte Pferde mögen oft kein kaltes Wasser, da es ihnen an den Zähnen weh tut. Auch Magenprobleme können ein Grund sein, warum das Pferd Wasser unter 10 °C nicht gerne trinkt. Dann sollte man ihnen nach Möglichkeit wärmeres Wasser zur Verfügung stellen.
Auch wenn aus der Tränke das Wasser zu langsam fließt, benutzen manche Pferde sie ungern. Müssen sie sehr festen Druck beim Trinken ausüben, und es kommt nur wenig Wasser, dann ist das für die empfindlichen Nüstern unangenehm.
Es gibt jedoch noch weitere Gründe, warum die Pferde die Tränke meiden. Geruch und Geschmack müssen stimmen, sonst trinkt das Pferd nur noch sehr wenig. Auf Verunreinigungen reagieren die Tiere meist sehr empfindlich, denn in der Natur hinge im Ernstfall ihr Leben davon ab.
Für die Gesunderhaltung ist eine tägliche Kontrolle der Tränke daher wichtig, um Vogelkot, Pferdeäpfel, Algen oder andere Verunreinigungen zu entfernen.
Oft sind die Wasserleitungen bereits sehr alt und innen korrodiert oder von Bakterien besiedelt. Stand die Box eine Weile leer, zum Beispiel im Sommer, dann wurde die betreffende Wasserleitung vielleicht längere Zeit nicht durchgespült. Bei alten Wasserleitungen kann sich durch die Stagnation des Wassers in der Leitung – vor allem bei Hitze – ein Biofilm gebildet haben, der das Tränkewasser mit Bakterien verunreinigt und die Leitung verstopft.
Wird Wasser aus einem Brunnen verwendet, dann ist es manchmal ebenfalls bakteriell belastet und kann zu viel Nitrat enthalten. Auch Regenwasser eignet sich nicht dauerhaft als Trinkwasser, da es recht sauer ist und kaum Mineralien enthält.
Ein erhöhter Eisengehalt verändert nicht nur geschmacklich die Qualität des Wassers. Durch eine zu hohe Eisenaufnahme – auch durch sehr hohe Eisenmengen im Heu – werden bei Pferden auf Dauer Lebererkrankungen ausgelöst.
Da die Krankheit sehr langsam und mit unspezifischen Anzeichen verläuft, wird sie selten bemerkt, bis die Tiere deutliche Leberschäden haben.
Anzeichen können Huf- und Sehnenprobleme, Stoffwechselstörungen oder ein ausgebleichtes Fell sein.
Wird ein erhöhter Bakteriengehalt im Wasser festgestellt, dann ist eine Reinigung des Leitungssystems sinnvoll. Der Eisenwert kann durch den Einbau eines Filters gesenkt werden. In der Zwischenzeit müssen die Pferde ihr Wasser auf andere Weise erhalten.
Allerdings ist es keine gute Idee, billige schwarze Mörteleimer oder -wannen vom Baumarkt zum Tränken zu verwenden. Diese Materialien sind nicht lebensmittelecht und enthalten zahlreiche Schadstoffe. Außer Weichmachern, die ins Wasser übergehen, finden sich in schwarzen Kunststoffen teilweise extrem giftige Bestandteile, da sie meist mit Industrieruß gefärbt sind.
Angesichts der großen Wassermengen, die ein Pferd pro Tag zu sich nimmt, sollte man unbedingt auf die Wasserqualität achten und dafür sorgen, dass es tatsächlich genug trinkt..